Der Reiz von Refashion: Bluse und Rock



Ein großer Teil meiner Kaufkleidung stammt mittlerweile aus dem Second Hand-Laden. Ich liebe das Stöbern im Second Hand-Laden, was mich selbst überrascht. Im Einzelhandel halte ich mich ungern in Kleidungsgeschäften auf, bestelle alles online und gehe nur in Geschäfte, wenn ich in der Nähe bin und genau weiß, was ich suche.

Vorher

In Second Hand-Läden gefällt mir das Überraschungselement: man weiß nie, was man findet. So war es auch mit dieser Bluse.

Before

A big portion of my store-bought clothes is from the second hand store.
While I hate browsing in common clothing shops, I love browing second hand shops. I like the element of surprise: you never know what you’ll find.

Like this blouse:

Auf Snapchat habe ich die Bluse bereits gezeigt. Ich fand sie so over the top, dass ich sie mitnehmen musste. To be fair: es ist eine Trachtenbluse, was auch die Ärmel erklärt.
Ich war mir sicher, dass die Bluse ohne die Ärmel sehr gut tragbar sein würde.

Versuchsweise habe ich auch die obere Schicht der gerafften Spitze in den Ausschnitt geklappt. Das Ergebnis fand ich schön, weil so die Knopfleiste mehr betont wird. Die Schicht habe ich also ganz knapp an der Naht abgeschnitten, was gut funktioniert hat.
Die Kanten waren doppelt abgesteppt und in der Ausbildung hatte ich bei Blusenänderungen oft mit auf ein Minimum zurück geschnittenen Nahtzugaben zu kämpfen. Aus diesem Grund habe ich auf das Auftrennen verzichtet.

Nachher

Das Resultat ist eine schöne sommerliche Bluse mit Vintage-Flair:

I already showed this blouse on snapchat. It is so over-the-top that I just had to buy it.
I knew that it could be really cute once I got rid of the sleeves.

I cut the upper layer of lace close to the edge. The edge was topstitched twice, and from my experience as a bespoke tailor, the seam allowance on blouses is often tiny and a mess to work with.

After

After I made the changes, I had a cute summer blouse with vintage flair:

Wie ihr auf dem „Vorher“-Bild sehen könnt, ist die zweite Spitzen-Schicht im Rückteil nicht durchgängig, sondern hört an der hinteren Ärmelnaht auf.
Das leere Rückteil hat mir nicht so gut gefallen, darum habe ich die abgeschnittene Spitze auf das Rückteil genäht. Ich habe den Abstand der vorderen Spitze zum Ausschnitt ausgemessen und 0,5 cm Nahtzugabe hinzu gegeben. In diesem Abstand zum Ausschnitt habe ich mit Kreide auf dem Rückteil eine Ansatzlinie gezogen. An diese Linie habe ich die Kante der Spitze rechts auf rechts gelegt und angenäht. Danach musste ich die Spitze nur noch nach unten bügeln – fertig.
Mit ein paar Stichen habe ich die Schmalseiten der Spitzen verbunden, so dass es aussieht, als wäre sie durchgängig.

As you can see on the before picture, the second layer of lace stopped at the sleeve. I sewed the lace I cut away on the back, because I didn’t like the plain back view.

I measured the distance from the lace to the neckline, added 0.5 cm seam allowance, and drew a line on the back using the measurement with tailors chalk. Using this guideline, I sewed the lace onto the back, right sides facing, and only had to iron the lace down once I finished.


Der Rock ist ein weiterer Second Hand-Kauf. Die Farbe und der Stoff gefielen mir so gut – korallfarbenes Leinen-Viscose-Gemisch, perfekt für warme Frühlingstage. Im heißen Sommer ist mir ein enger Rock zu warm. Und überhaupt war es einer meiner ersten engen Röcke. Wider Erwarten trage ich ihn aber ganz gerne, auch wenn ich mehr Bewegungsfreiheit bevorzuge.

Der Rock war ein paar Zentimeter zu eng. Die Nahtzugaben konnte ich raus lassen, der Bund war aber durchgängig, also war dort nichts zu holen.
Ich habe mich an einen Stoff aus meinem Fundus erinnert, der auch einen Korallton hat. Während der Rock eher in die Richtung Rosa geht, hat der Stoff einen Orange-Stich. Beides passt aber gut zusammen. Ich habe den Bund neu zugeschnitten und angesetzt.
Mir gefällt, dass die Gürtelschlaufen so mehr betont werden, die finde ich ein schönes Detail.

The skirt is another second hand buy. I love the color and the fabric, a coral linen viscose blend.
It was a few centimeters too tight, so I let out the seam allowances. The waistband however didn’t have seam allowances, so I used a fabric from my stash to cut a new one.

I really like the contrast of the fabrics, I like how the tabs pop!

Der Reiz von Refashions

Alles in allem finde ich die Refashions sehr gelungen. Es sind zwar eher kleine Änderungen, die aber eine große Wirkung haben.

Erstaunlicherweise hat mir der Prozess auch Spaß gemacht. Früher habe ich viel mehr Refashions gemacht, bis mir irgendwann der Spaß daran verloren ging. Vielleicht, weil man als Maßschneiderin ständig die Kleidung anderer Leute auftrennt? Da möchte man sich zu Hause nicht mehr wirklich mit der Trennschere hinsetzen, sondern wenn dann etwas Neues entstehen lassen.

Die Herausforderung, mit etwas Gegebenem zu arbeiten, hat aber durchaus seinen Reiz. Für mich ist Nähen nicht nur, ein Ergebnis zu haben, sondern auch das Drumherum. Eine Komposition zusammen stellen, an Details denken, in der Verarbeitung und Ausschmückung.
Während man beim herkömmlichen Nähen mit einer Art unbeschriebenem Blatt arbeitet und das Kleidungsstück nach seinen Vorstellungen (und, zugegebenermaßen, Fertigkeiten und Kenntnissen) schaffen kann, muss man bei Refashions ganz anders an die Sache ran gehen.

Eure Erfahrungen

Wie sieht es bei euch aus? Schafft ihr lieber gleich etwas ganz Neues aus Stoff, oder macht ihr euch auch mal die Auftrenn-Arbeit?
Was war euer liebstes Refashion-Projekt bisher?

P.S.: Wer mir bei Snapchat folgen möchte, kann den Code abscannen oder mich unter meinem Usernamen adden: jennyexclpoint.
Gerade kann ich leider nicht aktiv sein, da mein Handy den Geist aufgegeben hat (haha, get it? Snapchat-Reference!). Das neue ist aber schon unterwegs, juhu!

The appeal of refashions

All in all, I’m very happy with the results. I made small changes that had a big impact.

I was surprised to find how much I liked the process of refashioning the clothes. I did a lot of refashioning as a teenager, but somehow lost the interest in it. Maybe because as a bespoke tailor, you have to take apart other people’s clothes on a daily basis, so you don’t really want to take apart your own clothes once you get home.

I think there is a whole different challenge to refashions: you have to work with something you already have, instead of creating something from a blank slate.
That’s what I enjoy about sewing: it’s not only the result that matters, but to think of a composition, to think about details, to create a consistent, harmonious design.

What about you?

Do you like refashions? Do you rather create something from a blank slate? What was your favourite refashion project so far?

P.S. You can add me on snapchat using the code below or my username: jennyexclpoint. I don’t have a smart phone right now because my old one died on me, but the new one is on the way! I snap in German, though, so you might not be able to understand what I’m talking about.

Eingereicht bei DIY your closet und 12 letters of handmade fashion als Second Hand-Refashion: Sommerbluse.

13 Kommentare

  • brocobelle um 10:26

    Lovely rework on the blouse, really looks great!

    • Jenny um 11:03

      Thank you very much, that’s kind! 🙂

  • Januarkleider um 17:58

    Deine Sachen finde ich ausgesprochen gelungen. Für mich kann ich sagen, dass es mir oft mehr Spaß macht, so als kreative Herausforderung, aus alten Sachen etwas Neues zu machen als etwas von Grund auf Neues zu nähen. Auch meine selbstgenähten Kleider ändere ich oft nochmal um oder füge noch Details dazu, bis sie für mein Gefühl stimmen.
    Eines meiner liebsten Refashion-Projekte ist die Cabanjacke, die ich letzten Herbst für meine Tochter aus einem Achtziger-Jahre-Mantel meiner Mutter gemacht habe.
    Seit zwei Jahren biete ich auch bei uns an der VHS Workshops zum Thema an, da entstehen auch immer ganz interessante Sachen.
    LG
    Susanne

    • Jenny um 17:59

      Die kreative Herausforderung macht mir auf jeden Fall auch sehr viel Spaß!
      Das mit den Kursen ist eine super Sache. Auch sehr nachhaltig, tolle Idee!

  • Sophie um 19:00

    Super gut, wirklich, das Outfit macht mir richtig Lust aufs Refashioning. Diese Lust habe ich nämlich auch verloren, nachdem einige Versuche hintereinander schief gelaufen sind …

    Aber ich erinner mich dunkel an ein sehr erfreuliches Projekt aus einem wilden 80er-Kleid, dass ein viel geliebtes Sommerkleid mit Faltenfront wurde und heute noch in meinem Schrank hängt … Gefühlt ist das aber EWIG her …

    Aber dir und deinem Outfit (und auch der Location dazu):
    Hut ab, thumbs up, wunderbar :)!

    • Jenny um 18:00

      Hallo Sophie,
      freut mich sehr, dass ich dir Lust aufs Refashioning machen konnte. 🙂
      Bei mir ist auch einiges nicht nach Plan gelaufen. Die Kleidung war dann in der Regel sehr günstig, aber ärgerlich ist es natürlich trotzdem, wenn man ein tolles Stück „versaut“.
      Vielen Dank für deinen netten Kommentar! 🙂

  • Moni K. um 11:41

    Die Bluse ist toll geworden. Ich denke die echte Kunst ist dabei, in einem Secondhandteil das Potential zu erkennen. Bei dir klappt das super! Ich ändere gekaufte Kleidung mehr aus der Not heraus, indem ich aus einem zu kurzen Kleid ein Shirt mache o.ä.
    LG Monika

    • Jenny um 18:01

      Dankeschön, Monika! 🙂
      Ja, man muss auf jeden Fall ein Auge dafür haben. Aber nach ein paar Versuchen kann man das ganz gut abschätzen, finde ich.

  • kuestensocke um 12:57

    Was für eine tolle Verwandlung. Die original trachtenbluse war wirklich sehr speziell mit den vielen Rüschen und den riesigen Puffärmeln – Du hast daraus ein echt trendiges Teil gemacht! Die neue Bluse sieht toll aus vor allem so wie Du sie ins Gesamtoutfit einbindest. Ein echter Hingucker, besonders aber doch sehr im Jetzt. LG Kuestensocke

    • Jenny um 18:02

      Die Bluse war wirklich nicht wirklich alltagstauglich. Auch wenn ich sie in einem Trachtenkontext wieder hübsch finde. Aber sie war einfach nicht „ich“. 🙂
      Vielen Dank für deinen Kommentar! 🙂

  • Anne um 8:50

    Die Fotos sind unglaublich schön. DIE FARBEN!!! *schmacht*
    Solche Refashions machen auch daher ja verdammt Spaß, da man meist mit einem eher geringeren Aufwand trotzdem ein total individuelles, selbstgemachtes Stück hat. Und man kann sich selber noch auf die Schulter klopfen, weil es total nachhaltig ist. Jetzt, wo ich so alle Vorteile aufzähle, frage ich mich ernsthaft, warum ich das nicht selber viel häufiger mache…

  • verschiedenArt um 21:40

    Wow, was für eine unglaubliche Verwandlung! Das hätte ich der Bluse nicht angesehen!
    Ein wunderbares Refashionergebnis!!
    Ich nähe schon lieber Neues. Im Refashioning habe ich mich auch schon versucht. Dabei achte ich auf möglichst wenig Auftrennarbeit :). Das mag ich nämlich garnicht, hihi.
    Liebe Grüße
    Sandra

    • Jenny um 8:17

      Ich nähe auch lieber Neues. Das mit dem Auftrennen stimmt bei mir auch. Deswegen bleiben manche Projekte auch länger liegen als nötig…

      Danke für deinen Kommentar! 🙂

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