Frankensteins Mantel [MeMadeMittwoch #10]


Dieser Mantel ist eine Krankheit. Er gefällt mir gut, aber keiner will wissen, wieviel Arbeit tatsächlich drin steckt. Und um ehrlich zu sein, richtig fertig ist er immer noch nicht, es fehlen noch ein paar krönende Abschlüsse, aber da es beruflich bei mir gerade ziemlich turbulent zugeht – auch der Grund, warum es hier so still ist – komme ich einfach nicht dazu, ihn komplett fertig zu stellen, und mittlerweile habe ich mit diesem Kurzmantel auch den gleichen Effekt wie mit meinem Swingcoat: fertig, aber mittlerweile nicht mehr dem Wetter entsprechend.


Der Mantel ist ein tragbares Probeteil, und ich musste ihn nach dem ersten nähen nochmal komplett auseinander nehmen und Teile neu zuschneiden, teils habe ich neue Teile aus alten, unbrauchbaren Teilen schneiden können, teils musste ich meinen kompletten Rest des Stoffes aufbrauchen (darum Frankensteins Mantel). So macht mir das keinen Spaß. Dann waren immer noch ein paar Sachen im Argen, aber mittlerweile finde ich ihn okay. Passform ist so, wie ich es wollte: figurbetonend, aber nicht zu eng, ich brauche Bewegungsfreiheit und Platz unter dem Mantel für eventuell noch einen Cardigan oder ähnliches. Die Ärmel rollen dank eingenähtem Fischchen schön und sollten schön lang sein, damit ich bei Kälte meine Hände drin verstecken kann. Auf den Fotos sehen die Ärmel ziemlich chaotisch aus, aber das liegt hauptsächlich daran, dass der Mantel verkrumpelt und noch nicht gebügelt ist.



Das Besondere, das ich mir an dem Mantel ausgedacht habe, ist die Ziertechnik: Ich habe bei der Schnittkonstruktion der Blende eine Rollweite hinzugefügt, damit ich die vordere Kante so bügeln kann, dass der Kontraststoff zum Vorschein kommt. Sieht aus wie eine Paspel, ist aber Fake. Ich habe dann von Hand den Beleg im Nahtschatten durchgetupft, geht natürlich auch maschinell, war mir aber ein zu sportlicher Look für den Mantel. Diese Fake-Paspel zieht sich von der vorderen Kante einmal komplett am Saum entlang. Den gleichen Effekt gibt es an der Ärmelblende (auf dem Foto sieht man auch die Paspel am Saum). Edit: Mittlerweile ist auch eine Anleitung für die Fake-Paspel online!



Die Knopflöcher sind wieder von Hand gestochen – ich arbeite derzeit an einer Anleitung dazu. Hier habe ich mir aber nicht so viel Mühe gegeben, hust, da ich den Mantel mittlerweile einfach nur fertig in den Kleiderschrank hängen möchte.

Der Stoff war ein zufälliger Fund im Stoffladen. Ich hatte erst etwas Anderes im Kopf, aber dann fiel der dunkellila Oberstoff mir ins Auge – einer der Stoffe, die total anders wirken können, je nachdem, wie man sie kombiniert. Mit dem superweichen Kontraststoff wirkt er lila, mit Blau kombiniert eher Marine. Da sind sehr viele verschiedenfarbige Fasern mit eingearbeitet, sehr cool. Ich mag Lila gerne, hatte aber bisher noch kein einziges Kleidungsstück in der Farbe im Schrank.

Nun noch eine Zusammenfassung und eine Konstruktionsskizze für den MeMadeMittwoch:


Die Figurine ist von Deer & Doe 🙂

– Kurzmantel mit Spatenkragen und leicht ausgestelltem Saum
– Prinzessnähte im Vorderteil und zwei Abnäher im Rückteil
– Querteilungsnaht ab seitlichem Vorderteil in der Taille
– Zwei Leistentaschen
– Zweinahtärmel mit Blende am Saum
– Fünf bezogene Knöpfe mit handgestochenen Knopflöchern
Stoff: Ober- und Kontraststoff: 100% Wolle, Futter: Acetat oder Polyacryl würde ich sagen?
Schnittmuster: Marke Eigenbau
Nachnähfaktor: Hoch, ein zweiter Mantel ist schon in Planung.

16 Comments

  1. Susanne

    Habe ich das richtig verstanden, dass du den Mantel selbst konstruiert hast?
    Ich kann nur sagen:Wow. Für mich sieht er sehr gelungen aus. Mir gefällt der schmale Schnitt sehr und die Fake-Paspeln sehen klasse aus, wenn ich auch nicht ganz verstanden habe, wie du sie genäht hast. Auch eine tolle Farbzusammenstellung hast du gefunden.
    LG Susanne

  2. Frau H.

    Der Mantel ist noch nicht fertig? Was fehlt ihm denn noch? Für mich sieht er perfekt aus! So viele schöne Details! Er ist lässig und schick und überhaupt … genau mein Geschmack!
    LG
    Frau H.

  3. Jenny

    @Susanne: Dankeschön! Ich werde dazu noch eine Anleitung schreiben. 😉
    Der Mantel ist (mit Hilfe) selbst konstruiert. 🙂

    @Frau H.: Das Futter ist noch offen. ;P Äußerlich ist er fertig, nur noch ein paar Sachen an der Innenverarbeitung muss ich korrigieren/vornehmen.

    @Jessica: @Susan: Dankeschön! 😀

  4. Noctua

    Wow. Dafür, dass er nur ein Probeteil und auch noch gar nicht fertig ist, finde ich deinen Mantel ziemlich umwerfend! So einen hätte ich auch gerne. 🙂
    LG, Noctua

  5. Sandra

    Unglaublich, was Du da geleistet hast. Der Mantel ist ganz, ganz großes Kino.
    Und nein, Leute, die nicht nähen, wollen NICHT wissen, wieviel Arbeit in so einem Teil steckt. Das Nähen von so einem Master-Piece macht schon Spaß, aber wenn es nicht läuft… Ich kann Deinen Unmut da voll und ganz verstehen. Das Durchhalten hat sich gelohnt!
    Liebe Grüße, Sandra

  6. Jasmin

    Ohja lila. Fein!
    Ich muss sagen ich bin schwer beeindruckt von Deinen Nähkünsten und Konstruktionskünsten. Du bist aber keine gelernte Schneiderin und/ oder Designerin.
    Bei so tollen Werken schäme ich mich immer für meine dann doch etwas dahingepfriemelten Werke, die ich am MMM präsentiere.
    Der Mantel wird dir auch noch im Herbst gefallen, und du wirst ihn sicher sehr stolz und dann ganz fertig den ganzen nächsten Winter tragen.

  7. jungsnaht

    So viel Arbeit – aber Dein Mantel ist echt toll geworden. Jacken nähen finde ich viel schlimmer als Hosen nähen, obwohl viele soviel Angst vor Hosen haben. Respekt. Und der nächste Herbst / Winter kommt ganz sicher! Beste Grüße H.

  8. Jenny

    @Noctua: @jungsnaht: Vielen Dank! Der Mantel wird super für den Übergang zum Herbst sein, und wenn der Winter wieder so mild wird, kann ich ihn fast auch das halbe Jahr durch tragen. 😉

    @Jasmin: Ich habe auch mit hingepfriemelten Sachen angefangen. Gut geschummelt ist auch was wert. 😉
    @Sandra: Gelohnt hat es sich auf jeden Fall, auch wenn zwischendurch die Motivation Richtung Keller gewandert ist. 😉

  9. Fröbelina

    Krass dass du dir das selber überlegt hast! Also echt! Und ich kenne das auch dass man einfach keine Lust mehr auf ein Teil hat und nachher ist man immer unzufrieden damit, das kann noch so toll geworden sein. In deinem Fall würde ich dir raten den Mantel in den Schrank zu tun bis zum Herbst darüber zu schlafen und ihn dann rauszuholen! Du wirst ihn lieben! Der Mantel ist nämlich einsame spitze! Wen interessieren denn die Makel? Die siehst doch eh nur du! Der Mantel muss unbedingt getragen und der Welt gezeigt werden wirklich! Ich sage das nicht nur so ich finde ihn echt klasse! Auch die Idee mit der Fake Paspel! Super 🙂
    Liebe Grüße
    Katharina

  10. Januarkleider

    Wow, also meine Bewunderung hast du für das Ergebnis und für die Arbeit, die darin steckt. Es ist schon eine Leistung, einen Mantel (quasi einen Prototyp) nach eigenen Vorstellungen zu konstruieren und zu nähen.
    Bin gespannt, was du in Zukunft noch so nähst.
    LG
    Susanne

  11. Lina

    Sapperlot! Bin total geflasht von Deinem Mantel und ICH sehe wieviel Arbeit darin steckt! Hammer!!!!

    Deswegen liebe ich den MMM so……um solche „Perlen“ zu finden!!

    Liebe Grüsse
    Lina

Schreibe einen Kommentar