Manege frei [MeMadeMittwoch #12]

Es gibt bestimmte Kleidungsstücke, von denen ich den Eindruck habe, dass ich früher oder später einfach ein Exemplar haben muss. Nicht, dass die meisten dieser Teile besonders alltagstauglich oder kombinationsfreudig wären, aber darin liegt doch gerade der Reiz: dem Trott, dem eigenen und dem der anderen, eine lange Nase drehen.
Eine Wunschklamotte habe ich mir jetzt erfüllt – der Titel verrät schon, in welche Richtung es geht.

Schon seit langem habe ich mir eine Zirkusdirektorjacke gewünscht. In meinem Kopf war sie erst viel ausgeschmückter, mit Soutache und Knebelverschlüssen vorne, aber nach und nach ist es dann immer weniger Razzledazzle geworden. Besser so, eine Prise Exzentrik mag ich zwar an mir, aber Overkill muss auch nicht sein.



Dieser Jackenschnitt ist diesmal komplett selber gemacht, naja, vom Grundschnitt abgewandelt eben. Die Jacke hat Wiener Nähte und ist hinten leicht ausgestellt und länger.
Kragen, Revers, Leistentaschen, Ärmelblenden und der Einsatz in Rückteil sind in schwarz gehalten und mit goldenen Borten verziert. Diese mittleren soutache-artigen Verzierungen auf dem hinteren Einsatz sind ein Band, das hätte ich nie so hinbekommen. Allerdings sind die zwei dünnen Soutache-Rahmen tatsächlich von mir selbst gemacht. War genau so eine Fummelei, wie es aussieht.



Roter und schwarzer Oberstoff sind 100% Wolle, weder wirklich dick noch dünn. Das Futter habe ich mal umsonst bekommen – eine seltsame Farbe, die ich als silbergoldbeige bezeichnen würde, auch wenn es unlogisch klingt. Für die Jacke aber genau richtig.
Mit der Jacke an sich bin ich nicht richtig zufrieden, aber das trübt meine Freude über eine Zirkusjacke (ehrlich!) nicht. Diese Art Jacke ist einfach nicht so wirklich meins – Ich stehe nicht auf Reversjacken, die sind mir irgendwie zu offen vorne, weil wenn es kalt genug ist, dass ich eine Jacke brauche, möchte ich auch nicht, dass ein Dreieck vorne frieren muss oder ich extra noch einen Schal dazu tragen muss, nur weil die Jacke nicht bis oben zugeht.
Das Rückteil ist an den Teilungsnähten noch etwas zu weit und macht manchmal einen Mini-Buckel. Das ist die Schwierigkeit, wenn man Sachen nach Spiegelanblick ändert. Ich nur so: *verrenk*
Aber wisst ihr was? Das ändere ich nicht mehr. Ha! Ich bin in solchen Dingen oft plötzlich sehr genügsam und faul.


Die Knopflöcher sind wieder handgestochen, und guckt euch die Knöpfe an! Für Uniformknöpfe bin ich sehr leicht zu begeistern.
Ich schreibe auch an einer Anleitung für Schneiderknopflöcher, die hoffentlich in den nächsten zwei Wochen fertig ist. (Dauert fast so lang wie tatsächlich ein Knopfloch zu stechen, ha!)

too long; didn’t read
Schnittmuster: selbstgemacht
Stoff: 100% Wolle in rot und schwarz, Synthetikfutter (pfui, aber es war umsonst)
Zutaten: diverse goldene Zierbänder und -borten, Soutache, Schulterpolster, Watteline für die Fischchen und goldene Uniformknöpfe
Nachnähfaktor: Hm, nope. Wie bereits geschrieben, ich stehe nicht auf diese Art von Jacken, aber eine Zirkusjacke muss so aussehen, das ist gerechtfertigt. Vielleicht ändere ich den Schnitt noch ein bisschen ab und nähe mir einen Blazer, aber ganz ehrlich? Not gonna happen. Über meine Zirkusjacke bin ich aber super happy, da ich schon lange so eine haben wollte. Sie wurde auch schon ein erstes Mal zum Feiern ausgetragen. Dieser Post klang irgendwie negativ, aber ich freue mich über die Jacke, ehrlich!
Und ich freue mich auch, in Wiederholung aktiv beim MeMadeMittwoch dabei zu sein!

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